Nach Corona: Schulbildung neu orientieren – jetzt diskutieren!

 Stärkung von Teilhabe und Beteiligung                                                 

Derzeitige Überlegungen in den Berliner Regierungsparteien, das Schulgesetz zu ändern, kommen m.E. zu früh. Zunächst sollte eine gründliche Debatte über eine zukunftsfähige Schule nach Corona stattfinden. Sie muss vor allem grundsätzlicher diskutiert werden. Zentral sind dabei zwei Bereiche: Die Stärkung von Beteiligung und die Überlegungen zur Digitalisierung zukünftig mit Inhalten und modernen Lernszenarien verbinden.

Eigenständige Schule

Das aktuelle, 2004 in Kraft getretene Schulgesetz, beinhaltet ein zentrales Element, nämlich die Stärkung der Teilhabe von Lehrkräften, Eltern und von Schule insgesamt, Stichwort: Eigenständige Schule.

Schulträger als Dienstleister

Die Schulbehörden müssten ihrer zentralen Aufgabe tatsächlich nachkommen, nämlich die Schulen „in ihrer Eigenständigkeit und Eigenverantwortung zu unterstützen“, wie es im Schulgesetz heißt. Davon kann nämlich in der Praxis kaum die Rede sein.

Schulaufsichten als Dienstleister

Hierzu ist eine Entschlackung der schulischen Gremien und Funktionsträger von Verwaltungsaufgaben nötig. Und: Ein Umdenken in den verschiedenen Schulbehörden, nämlich eine veränderte Einstellung zu den eigenen Aufgaben, indem Schulträger und Schulaufsicht sich selbst als Dienstleister für die Schule verstehen und ein Wegkommen vom Misstrauen hin zum Zutrauen in die Kompetenzen der Einzelschule.

Evaluation und Inspektion

Schulen müssten in einem vernünftigen und zu bewältigenden Rhythmus, z. B. alle sechs Jahre, eine Schulcharta vorlegen, bzw. überarbeiten, die schulspezifische Ziele, Aktionsschritte und Evaluationen einem Gremium vorlegt. Die bisher üblichen Schulprogramme, Zielvereinbarungen und Schulinspektionen können deshalb abgelöst werden. Das erwähnte spezielle Gremium kann z.B. als ein externes Institut in allererster Linie digital prüfen und nur zu einer Bewertung in der Schule erscheinen. Die Bewertung der Schule würde nach fachlichen und politisch festzulegenden Kriterien erfolgen. Daraus sind von Schule und Schulbehörde Schlussfolgerungen zu ziehen und öffentlich zu belegen.

Umstrukturierung der Schulaufsichten

In dieser umstrukturierten Schullandschaft müsste auch die Rolle der Schulaufsicht neu definiert werden. Bei einem echten Paradigmenwechsel kann die regionale Schulaufsicht wesentlich verkleinert und mit wenigen Schulrechtsspezialisten besetzt werden, die in kniffeligen Rechtsfragen kompetent beraten oder eingreifen können.

Mit einer wirklichen eigenständigen Schule in einem neuen Evaluationskontext hätten wir praktisch zwangsläufig eine Schule, die viel mehr als zurzeit an den Interessen und Bedürfnissen der Schüler/innen anknüpft und die Kompetenzen der Bildungsfachleute (Lehrkräfte) deutlicher mit einbezieht.

Fortbildungen und Verfügungsfonds

Wenn die Schulentwicklung wirklich ernsthaft in die Hände der Einzelschule gelegt wird, müssen auch die Möglichkeiten der Fortbildungen für das Schulpersonal in den Blick genommen werden. Der vor einigen Jahren dafür entwickelte Verfügungsfonds wird derzeit immer mehr aufgeweicht, statt ihn aufzuwerten und noch besser auszustatten. Inzwischen werden nämlich die Schulen zur Übernahme anderer Aufgaben gezwungen, z.B. neben der Finanzierung von kleinen Instandsetzungsarbeiten auch Schulmöbel davon zu kaufen. Auf diese Art wird inhaltliche Schulentwicklung ad absurdum geführt.

Verbeamtung

Generell ist natürlich zu überlegen, innerhalb welcher Rahmenbedingungen Schulen ihre oben erwähnte Schulcharta anfertigen. Hierfür wäre ein reformiertes Schulgesetz sinnvoll. Natürlich nicht nur dieses, denn ein wichtiges Zukunftszeichen wird die künftige Personalpolitik – Stichwort Verbeamtung – sein.

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